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Die Jagd eindringlicher erleben

Orientierungsmittel

Dr. Helmut Herbold (Dipl. Forstwirt, geb. 1959) ist als Schulungsleiter der Jagdschule Gut Grambow (MV) ständig mit dem Thema jagdliches Brauchtum in Berührung.

Fragen wir einen Jungjägerkurs-Teilnehmer worum es beim jagdlichen Brauchtum geht, dann kommt i.d.R. als Antwort „Jagdsprache“. Tatsächlich gehören viel mehr Punkte dazu, die im Alltag des Jägers wichtig sind. Insofern gibt es in den Grundzügen auch keine regionale Trennung, eher lokale Spezialitäten. Wenn wir das Wort Brauchtum einfach erklären möchten, dann geht es dabei um den sinnvollen Gebrauch bestimmter Dinge vor, während und nach der Jagd. Wer erfolgreich jagen möchte, braucht Hinweise eines erfahrenen Jägers. Bestimmte Jagdarten sind verschwunden (z.B. Lockjagd auf der den Ringeltauber im Frühjahr), andere wurden neu entwickelt (z.B. die Ansitzdrückjagd). Neue Bejagungsstrategien hingegen wie z.B. die Intervalljagd und die Schwerpunktbejagung sind zwischenzeitlich Bestandteil in der Ausbildung.

Warum soll ich nach Schuss noch 15 Minuten sitzen bleiben, wenn das Reh am Anschluss verendet ist? Wie wird sauber aufgebrochen? Wie transportiere ich den Fuchs zum Auto, wie den Frischling? Wie wird die Strecke gelegt?  All dies wird dem Jungjäger erklärt. Beim „Streckelegen“ erlebt man in den letzten Jahren viele Veränderungen. Egal, wie Strecke gelegt wird: Wer diesen Brauch jedoch abschafft, verliert auch einen wesentlichen Teil der Jagd, nämlich die Jagd tiefer zu erleben.  Bei den Brüchen werden in der Praxis eigentlich nur noch der Erlegerbruch, der Inbesitznahme-Bruch und der Letzte Bissen verwendet. Einen Anschussbruch z.B. wird man immer seltener finden, hier ist das Tempotaschentuch einfach zweckmäßiger. Jagdliches Brauchtum ist immer und stetig im Wandel, also nicht starr. Es ist wichtig zur Orientierung der Jäger und schafft einen Zusammengehörigkeit untereinander, fordert aber auch Toleranz. Übergeordnet ist dabei immer die Waidgerechtigkeit.

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Kein Schuss ins Blaue

Leinwand-Rehbock und Kipphase werden jetzt im neuen Indoor-Schießausbildungszentrum auf Gut Grambow ins Visier genommen

Der Kipphase aus Metall hat schon seine ersten Schrotladungen abbekommen, den laufenden Keiler hat es im Schießkino erwischt und der stehende Rehbock am Ende der Schießröhre ist durchlöchert. Ab jetzt werden auch auf Gut Grambow starre und bewegliche Ziele ins Visier genommen, denn die Jagdschule hat nun ein eigenes Indoor-Schießausbildungszentrum, das heute offiziell eröffnet wird.

Lennart Thieleke rückt seinen Ohrschutz zurecht und legt das Gewehr an. Gleich wird der Keiler kommen. Von rechts. 50 Meter liegen zwischen dem 15-Jährigen aus Peine und der beweglichen Tier-Silhouette, die ihm helfen soll, sein Ziel nicht nur zu erwischen, sondern auch seine Ausbildung zum Jungjäger erfolgreich abzuschließen. Wenn er zum Ende des dreiwöchigen Kurses seine Prüfung macht, dann müssen unter anderem drei von fünf Schüssen auf dieses Ziel sitzen. „Den Zeigefinger etwas gerader halten“, gibt Dr. Helmut Herbold Tipps. Herbold ist Schulungsleiter auf Gut Grambow und hat in den vergangenen Jahren viele der etwa 7000 Absolventen auf ihrem Weg zum Jagdschein begleitet. Um diesen zu bekommen, muss auch gelernt werden, wie auf was geschossen wird. Der Umgang mit der Waffe, dafür ging es bisher zu den Freiluft-Schießständen nach Püttelkow und Grevesmühlen. Das ist jetzt vorbei.

Wenn nicht gerade der Keiler vorbeizieht, flimmern im Schießkino Wildschwein, Fuchs oder Rothirsch über eine neun Meter große Leinwand. Treffer werden elektronisch angezeigt, bleihaltige oder -freie Munition wird von einem Wall aus Gummi-Granulat geschluckt. Beamer, Kameras oder Schießscheiben werden ein paar Meter weiter aus einem Regieraum heraus gesteuert. Dort ist auch das Revier von Jonas Schütt.

Der 31-jährige Holsteiner ist Berufsjäger, Ausbilder und Leiter des Schießzentrums und begleitet das Projekt seit einem Jahr. Er  hat auch die Alarmanlagen und die Waffenkammer im Blick. „Sicherheit ist das Wichtigste“, sagt Schütt. Und das gilt auch für den zweiten Schießraum mit seinen zwei 100-Meter-Bahnen, in denen die Kugeln der Lang- und Kurzwaffen im hinteren Teil durch Röhren sausen. Wie im Nachbarraum auch hängen hier Luftausströmsäcke, die unter anderem dafür sorgen, dass die Gase  abgesaugt werden.

Das Indoor-Schießausbildungszentrum auf Gut Grambow ist kein Schuss ins Blaue. Rund drei Millionen Euro hat der Betreiber in eine der modernsten Anlagen dieser Art deutschlandweit  investiert, um sein Ausbildungsangebot auf dem etwa acht Hektar großen Gelände zu bündeln, effektiver und wirtschaftlicher zu arbeiten. Die Seminarteilnehmer können jetzt auf dem Gelände lernen, essen, schlafen – und eben auch schießen.

Das Ladengeschäft von Gut Grambow mit Büchsenmacherwerkstatt wird ins angrenzende Schießanlagen-Gebäude umziehen, seine Fläche auf über 300 Quadratmeter vergrößern. Die Eröffnung ist für Ende September geplant. „Ein Vorteil des neuen Ladens wird sein, dass Käufer hier die Waffen sofort ausprobieren und einstellen können“, sagt Jonas Schütt.

Apropos ausprobieren: Die Schießanlage ist nicht nur für angehende Jäger bestimmt. Wer will, kann sich dort selbst ausprobieren und Kipphase, Keiler oder Rehbock ins Visier nehmen.

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Grambow: nicht nur für Jäger ein Kleinod

Gut Grambow macht sich mit Jagdschule einen Namen – bietet aber noch mehr

Der Name Grambow ist vielen Jägern in ganz Deutschland ein Begriff: 6000 Waidmänner haben in den vergangenen 17 Jahren dort einen Jagdschein erworben. Aber eben nicht nur Neulinge auf diesem Gebiet zieht es in den kleinen Ort. Unter anderem gehören ein Jagdausstatter, eine Ferienanlage und eine Gaststätte zum Angebot. Eine neue große Schießanlage wird derzeit gebaut. „Mehr als drei Millionen Euro werden investiert“, sagt Olaf Herzberg von der Jagdschule Gut Grambow. Die Jagdschule gehöre zu den führenden in Deutschland. „Wir haben Schüler aus allen Bundesländern, der Schweiz, Großbritannien und auch aus Russland“, zählt er auf. Die seien zwar die meiste Zeit intensiv mit der Ausbildung beschäftigt, beleben aber auch den kleinen Ort. Die Jagdschüler seien gern gesehene Gäste in den Hotels und Pensionen der Region. Zumal es nur wenige Wochen gibt, in denen kein Kurs stattfindet. „Oft sind es sogar zu wenig freie Zimmer“, fügt er hinzu.

Ebenso gäbe es immer wieder etwas zu renovieren, zu bauen oder auch zu warten. „Wir setzen auf einheimische Firmen. Und haben selbst auch nicht wenige Arbeitsplätze geschaffen“, gibt Herzberg zu bedenken.

Angefangen hatte alles mit dem fünfköpfigen Landwirtschaftsbetrieb Gut Grambow. „Die Jagdschule sollte eigentlich nebenher laufen. Heute ist sie ein sehr wichtiges Standbein“, erklärt er.

thumbHeute sind es 20 Mitarbeiter des Guts, die unter anderem 1300 Hektar Ackerland und Forstfläche bewirtschaften. Zudem gehören 2000 Hektar Lehrrevier dazu, ergänzt Herzberg. Auch eine Biogasanlage gibt es, die nicht nur die Gebäude des Gutes mit Wärme versorgt.

Aber eben nicht nur die Jagdschule lockt viele Besucher an. Auch Pferdefreunde haben einen festen Anlaufpunkt auf der Gutsanlage. „Der Ponyhof hat einen Unterschlupf gesucht und wir hatten einen Stall frei“, erklärt Herzberg. Neben dem Stall und einem kleinen Reitplatz haben die Tierfreunde eine große Reithalle. Auf der Gutsanlage hat zudem die Zumba-Gruppe einen Raum bekommen. Eine große Ausstellung zum Grambower Moor ist ebenfalls eingerichtet, dort gibt es regelmäßig Führungen. „Wir möchten offen sein. Nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für die Einheimischen“, betont Herzberg.

Den Bericht in der SVZ finden Sie hier.

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Erst die Stille, dann der Genuss

Vom 16. bis 18. Oktober trafen sich insgesamt zwölf Jäger und Nichtjäger zu einem
„Gemeinsam Jagd erleben“-Wochenende auf Gut Grambow im Nordosten Deutschlands. Wir waren natürlich dabei …

Schon bei den Vorgesprächen sprangen die Jagdschule Gut Grambow und Waffenhersteller J. P. Sauer & Sohn begeistert mit auf, als die Initiatoren ihnen die Aktion vorstellten. Schließlich geht es um das positive Image der Jagd. „Raus aus der Anonymität, rein ins volle Leben. Denn zu verstecken haben wir Jäger nichts“, lautete daher das gemeinsame Credo.

So knallte dann die Ausschreibung vom ersten Tag auf der Homepage genauso wie in Facebook voll rein, schließlich winkte ein Jagdwochenende in den schönen Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns. Bis zum Ende der Ausschreibung bewarben sich über 900 Zweier-Teams – eben ein(e) Jäger(in) samt nichtjagendem Anhang – um die Teilnahme.

Auf zum Schiessstand und auf auf zum fröhlichen Jagen

Am Freitag, den 16. Oktober, trafen am frühen Nachmittag insgesamt zwölf bestens gelaunte Frauen und Männer von Anfang 20 bis 82 ein – sie starteten vom Schwarzwald aus, kamen aus Dresden, Kassel oder dem näher gelegenen Verden an der Aller. Gewiss lockte das schöne Gut Grambow genauso wie die Möglichkeit, einmal die neue Sauer-Repetierbüchse 404 auszuprobieren. Aber so richtig zog natürlich das gemeinsame Jagen, die Zubereitung der Beute samt Tipps und Tricks durch den jagenden Koch Stefan Liebler aus Blaubeuren. Auf dem Schießstand kamen auch die Nichtjäger ans „Gerät“ und merkten schnell, dass es gar nicht so einfach ist, einen sauberen Treffer zu platzieren. Abends rückten dann die Zweier-Teams unter Führung von Berufsjäger Wesley Henn und Inhaber Martin Lösch aus zum gut vorbereiteten Entenstrich. Knapp 20 Breitschnäbel lieferten die Brüste für das Sterne-Menüam letzten Abend.

Morgenstund hat Gold im Mund

Früh raus aus den Federn zur Schalenwildjagd zauberte nicht allen ein Lächeln ins Gesicht, denn nicht jeder hatte zeitig sein Bett gefunden. Trotzdem lagen ein Fuchs und mehrere Stück Rehwild, die am Vormittag zusammen mit den Enten noch unter der Anleitung von Stefan Liebler küchenfertig gemacht wurden. Er zeigte leicht nachvollziehbare Tricks fürs Zerwirken, für Rollbraten, Karree, Medaillons oder wie man gekonnt die Rippen verwertet. Während ein Teil sich abends wieder auf den Ansitz verabschiedete, heuerten Fans kulinarischer Genüsse kurzerhand in der Küche an, wo Liebler mit dem Grambow-Team am Menü zauberte. Andreas von der Schwäbischen Alb hat über seinen Lehrerkollegen Constantin Interesse an der Jagd gefunden. Beide waren schon auf dem Schießstand, heute morgen beim Fuchs war dann die gemeinsame Feuertaufe. „Ich war eher fasziniert und verwundert, als es hinter dem Fuchs staubte und ich dachte, der Consti hätte vorbeigeschossen. Doch der Fuchs lag!“ Eines ist Andreas schon länger klar: „Jäger sind keine schießwütige Truppe, sie haben eine tiefschürfende Kenntnis über die Vorgänge in der Natur.“ Darüber usste er bei Constantin von Anfang an staunen. Als bekennender Fleisch-Genießer weiß er, dass wer Fleisch essen will, nunmal dafür etwas töten muss. „Die Hälfte unseres Kollegiums versorgt Constantin schon mit Wildbret“, berichtet Andreas. Es hat sich in der sonst eher kritischen Lehrerschaft herumgesprochen, dass die Jagd bestes Fleisch auf den Tisch bringt. Und so steuerte der Abend auch dem kulinarischen Höhepunkt mit fünf Gängen entgegen – etwa Hirsch-Carpaccio, Entenbrust und was die mecklenburgischen Wälder sonst noch hergaben. Natürlich gaben die Teilnehmer vor der Kamera am knisternden Feuer des Kamins noch ihre Eindrücke von Jagd und Jägern zu Protokoll. Zu vorgerückter Stunden fiel dann auch so langsam die Spannung bei Küchenchef Stefan Liebler ab, der sich sein kühles Lübzer wahrlich verdient hatte.

Nach der Aktion ist vor der Aktion

Am Schluss waren sich alle Beteiligten so wie die Initiatoren von DJV und den dlv-Jagdmedien einig, dass die Aktion fürs erste Jahr schon erfolgreich gelaufen ist. Um 2016 mit frischen Ideen und gesteigertem Elan das Projekt „Gemeinsam Jagd erleben“ neu anzugehen.

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Das große Halali

Vivien Vogt kocht gerne, auch Fleisch. Am liebsten selbst geschossenes. Ein Steak aus dem Supermarkt kommt ihr nicht in die Pfanne. Vor vier Jahren hat die Start-up-Unternehmerin ihren Jagdschein gemacht. Seither legt sie an auf Enten, Hasen, Rehe. Nicht, um Trophäen zu sammeln, erst recht nicht, weil sie einen Narren an Waffen gefressen hat: „Ich will einfach nur wissen, was ich esse“, sagt Vivien Vogt.

Als Managerin ist die 35-Jährige schwer zeitgeistig unterwegs, hat in führender Position Smoothies und MyMuesli verkauft, jetzt vertreibt sie mit ihrer eigenen, in Passau ansässigen Firma Kokusblüten-Zucker. Den importiert sie direkt von der indonesischen Insel Java. In der Freizeit streift sie durch bayerische und böhmische Wälder, das Gewehr im Anschlag.

Die Unternehmerin ist mir ihrer Jagd-Passion in guter Gesellschaft: Die Wirtschaftselite bläst zum großen Halali! Noch nie haben sich so viele Menschen zum Jäger ausbilden lassen. Knapp 370000 Leute mit Jagdschein sind heute in Deutschland unterwegs, doppelt so viele wie in den 60er Jahren. Und Jahr für Jahr kommen 10000 neu hinzu.

Die Jagd sei kein Sport, sondern eine Lebenseinstellung, sagt Martin Lösch, ein studierter Landwirt, der von dem Trend ganz gut lebt. Sein Gut Grambow, in Mecklenburg gelegen, bietet exklusive Intensivkurse für Führungskräfte an. Für 6000 Euro können die dort ihren Jagdschein erwerben, Übernachtung und Verpflegung kosten extra.

Löschs Zielgruppe sind Manager der ersten und zweiten Führungsebene, dazu Promi-Waidmänner (und -frauen) bekannt aus Funk und Fernsehen. 400 Schüler im Jahr betreut der Agrarökonom, selbst Mitte 40: „Die Hälfte davon ist unter 30, fast ein Drittel sind Frauen.“ Seine Faustregel lautet; „Je jünger die angehenden Jäger, desto mehr Frauen sind im Kurs.“

Die „Generation Golf“ zieht es raus in die Wildnis. Die Gruppe der um die Vierzigjährigen, inzwischen zu Geld, Status und SUV gekommen, finden die Jagd cool, seit sich herumgesprochen hat, dass eine Nacht auf dem Hochsitz, garantiert ohne Handy-Empfang, ungemein entschleunigt.

Der Wald bietet sich an als exklusiver Rückzugsort, noch nicht so ausgetrampelt wie der Golfplatz. „Nach drei Tagen New-York-Trip brauche ich drei Stunden auf dem Hochsitz“, bekennt ein Unternehmer. Hier sind selbst Leute unerreichbar, die sich sonst permanent präsentieren müssen. Auf der Jagd verbringen sie „hochkontemplative“ Stunden, müssen nicht reden, nur im Morgengrauen hören, ob ein Ast knackt, ob sich der Hirsch auf der Lichtung zeigt. „Selbst wenn nicht, ich hinterher total erfüllt“, sagt ein Manager.

In früheren Jahrhunderten war die Jagd eine Angelegenheit des Adels, heute sind die Jagdgesellschaften durchsetzt mit Unternehmern, Anwälten und Ärzten. Frankfurter Top-Investmentbanker verbringen das Wochenende auf der Pirsch, treffen womöglich auf den Lufthansa-Caterer, den Mittelständler mit eigener Jagd, die Karrierefrau von der Konkurrenz oder ihren eigenen PR-Berater.

Finanzinvestoren wie Johannes Huth, Europa-Chef der Private-Equity-Gesellschaft KKR mit Dienstsitz London und eigenen Jagdgründen in Tirol, sind begeisterte Jäger. Marion Helmes, Ex-Celesio-Chefin und heute Pro-Sieben-Aufsichtsrätin, ist mit ihrem Mann Stefan Kirsten, dem Finanzvorstand des Dax-Immobilienkonzerns Vonovia, mit von der Partie. Männer wie Wendelin Wiedeking (Ex-Porsche) und Jürgen Großmann (Ex-RWE) zählen zur älteren Garde, seit je zuständig für die großen Tiere.

Die typische Jungjägerin ist laut Statistik des Deutschen Jagdverbandes Mitte Dreißig und kommt aus der Stadt. Ihr Anteil an der Jagdgesellschaft steigt stetig. Vor 20 Jahren war nur ein Prozent des Jagdscheininhaber Frauen. Derzeit sind es mehr als zehn Prozent. Nie war die Jagd weiblicher, nie war sie jünger.

Stephanie Welkoborsky ist gerade 27, Nachwuchsmanagerin im Finanzdistrikt, und dabei, sich auf ihren Jagdschein, das „grüne Abitur“, vorzubereiten – angeblich schwerer als die allgemeine Hochschulreife.

Im Januar geht es los mit einem Intensivkurs im Schwäbischen, „mehr Zeit habe ich nicht“, sagt sie. Ihre Freunde waren schockiert, als sie von dem neuen Hobby erzählt hat: „Wie kannst gerade du als Frau unschuldige Tiere abknallen?“ Als sie ihren Bekannten dann von Wald und wilden Tieren vorschwärmte, haben die begriffen, was die Jagt für sie bedeutet: „Eine Leidenschaft, der man sich ganz verschreibt.“

Billig ist dies nicht zu haben, es braucht Hund, Gewehr, Waffenschrank und etliches mehr. Mit rund 12 000 Euro Investitionen rechnet die junge Frau für den Anfang: „Die Ausrüstung ist extrem teuer, die Grenzen nach oben sind offen.“

Warum also tun die Leute sich das an? Warum investieren sie so viel Zeit und Geld? Das Netzwerken zum gegenseitigen geschäftlichen Nutzen sei nicht das Motiv, beteuern die Jäger – das sei allenfalls die Folge gemeinsamer, archaischer Erlebnisse im Grünen. Auf der Jagd offensiv über Business-Dinge zu reden sei verpönt. „Dafür eignet sich die Skihütte oder der Golfplatz deutlich besser“, sagt ein Aufsichtsrat.

Die Neu-Jäger unter den Managern, gewiss keine Romantiker, schwärmen davon, sich „voll und ganz auf die Natur einzulassen“. Eine kernige Minderheit hat es auch ganz gern, Teil einer Gegenbewegung zu sein – gegen den „politisch-korrekten Mainstream, gegen all die naiven Tierfreunde und Veganer“.

Mit der Provokation übertreiben will es freilich niemand, mit dem Zwölfender protzt keiner der modernen Jäger. Trophäensammeln war gestern. Was bleibt, ist die Landlust, gerade unter jungen, beruflich stark eingespannten Städtern, die ausbrechen wollen aus dem „klinischen Büroleben“, die der Massentierhaltung misstrauen wie der Lebensmittelindustrie generell. Leute wie Start-up-Unternehmerin Vivien Vogt, die im Supermarkt nur noch kauft, „was ich nicht selbst machen kann“. Biohühner, Obst und Gemüse holt sie beim Bauern, Marmelade kocht sie selbst, Kräuter und Pilze sammelt sie im Wald, wo sie auch ihr Fleisch erlegt.

„Die Verbindung Jagd und Küche ist gegenwärtig extrem“, bestätigt Volker Lösch auf seinem Jagdgut nahe Schwerin. Viele junge Jäger gehen mit Kind und Kegel in den Wald. Dass sie dabei weniger erlegen, als wenn sie allein wären, ist egal. Es zählt das Erlebnis als Familie, inklusiv Verzehr von Selbstgeschossenem und Selbstgekochtem.

Da waren die Altvorderen einst von anderem Schrot und Korn. Frauen hatten in der Machowelt nichts zu suchen, tüchtig gezecht wurde auch. Beleibte Männer in Lodenmänteln bestimmten die Szenerie, unter Industriellen wie Staatsmännern, die dem Hobby im vorigen Jahrhundert frönten, in West- wie Ostdeutschland.

Hipp war gar nichts, wenn zu DDR-Zeiten die SED-Greise in Wandlitz sich ihre kapitalen Hirsche haben zuführen lassen. Im Westen gönnte sich jeder Großkonzern, der etwas auch sich hielt, die eigene Jagd und veranstaltete entsprechende Gelage. Die Landesbank West LB ist nicht nur darüber untergegangen. Seit Kapitalmarkt und Compliance-Wärter den Ton angeben, Konzerne wie Siemens und Thyssen-Krupp haben ihre Jagd abgeschafft, im Fall der Essener laufen zum Jahresende die letzten Pachtverträge aus. Es ist Bewegung im Markt, das eröffnet Chancen für Einsteiger. Und die werden heute schon früh herangeführt.
Die Jagdschule Emsland zum Beispiel verhilft bereits Jugendlichen zum Jagdschein. Die Kurse sind ausgebucht. Stefan Wemhöner hat seine Kinder, 15 und 16 Jahre alt, diesen Sommer dorthin geschickt. „Das gehört in unserer Familie dazu“, sagt der Kaufmann, der in der Nähe von Würzburg einen Online-Shop für Jäger aufgezogen hat. „Franken & Cie“ heißt der, das Geschäft brummt – besonders wegen der Frauen: Mussten sie sich früher für die Jagd in die kleinsten Herrengrößen zwängen, wartet auf sie nun eine eigene Kollektion, Tweedmantel und Wolljerseykleidchen inklusive.

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Fährten im Schlamm

Carolin Sticher weiß, sie muss jetzt ruhig bleiben. Luft holen, langsam ausatmen, Jagdgewehr anheben, zielen, abdrücken. Die 24-jährige Studentin steht in einem Kiefernwald in Mecklenburg-Vorpommern, es ist noch sehr früh und so kalt, dass Sticher ihren Atem sieht. Es ist ihr zweites Mal am Schießstand, sie ist unruhig.
Sie denkt: Belaste die Füße gleichmäßig, um einen sicheren Stand zu haben.
Sie denkt: Zieh den Gewehrschaft fest in die rechte Schulter, damit der Rückstoß nicht schmerzt.
Sie denkt: Krümm den rechten Zeigefinger nur leicht, um den Abzug mit dem oberen Glied zu erwischen.
Sie denkt: Ich muss treffen. Es knallt, 165 Dezibel, Düsenjägerlautstärke.
Daneben. „Scheiße“, sagt Sticher. „Hör auf zu denken“, sagt der Schießlehrer an ihrer Seite.
Carolin Sticher steht in Sneakers, Jeans und weißem Kapuzenpulli in der Bretterbude eines Schießstands bei Schwerin, die braunen Haare hat sie zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden, die Wimpern getuscht. An der rechten Hand trägt sie drei Silberringe, auf den Nägeln farblosen Lack. 50 Meter vor ihr fährt das Bild eines Keilers von rechts nach links. Sie müsste die Zielscheibe auf der vorderen Körperhälfte treffen. Zehn Punkte sind perfekt, sie bedeuten: Lunge getroffen.
Neben der Novizin steht an diesem Sommermorgen Helmut Herbold, 55, Jäger seit seinem 17. Lebensjahr. Er trägt derbe Schuhe, einen grünen Wollpulli über dem karierten Hemd und eine Schiebermütze. Er sagt: „Das ist Hochleistungssport, was wir hier machen.“ Und: „Das muss auch Spaß machen.“
Wenn Herbold das alte Bild der Jagd verkörpert, steht Sticher für das neue. Sie ist jung, sie kommt aus der Stadt, in ihrer Familie hat das Schießen keine Tradition. Die Studentin steht für einen erstaunlichen Trend: Die Jägerschaft in Deutschland wird jünger, weiblicher, moderner. Noch nie interessierten sich so viele Menschen fürs Pirschen und Schießen. Im vorigen Jahr besaßen deutschlandweit 361557 Menschen den Jagdschein, rund 23 000 mehr als noch vor zehn Jahren; auf 223 Einwohner kommt ein Jäger. Inzwischen sind knapp 20 Prozent der Anwärter Frauen. Auf Gut Grambow bei Schwerin, wo Carolin Sticher gemeinsam mit ihrem Vater, ihrem jüngeren Bruder und ihrem Freund den Jagdschein macht, lag die Frauenquote 2013 bei 27 Prozent, von allen Teilnehmern kommen etwa 40 Prozent aus der Stadt. Für Herbold, der seit 1998 auf dem Gut die Schulungen leitet, ist es „die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Naturverbundenheit, die viele Frauen und Großstädter zur Jagd treibt“.
Vor Jahrzehnten war die Rolle der Frau bei der Jagd klar definiert: Sie bereitete das Wildbret zu. Inzwischen gelten Jägerinnen nicht mehr als Exotinnen. Prüfer schätzen sie als besonnene Schützen. Es gibt Internetseiten und Bücher, die sich an jagende Frauen richten, seit 2011 sogar ein Fachmagazin. Die „typische Jungjägerin“, so eine Umfrage des Deutschen Jagdverbands (DJV), sei Mitte dreißig und komme aus der Stadt.
Viel mehr als ihre Vorliebe für Wildbraten hat Carolin Sticher mit der Jagd bisher nicht verbunden. Sie macht die Ausbildung, weil sie die Natur besser verstehen und einen Ausgleich zum Uni-Alltag will. Weg vom Laptop, raus in den Wald. Damit gehe es Sticher, so der Jägerverband, wie dem Großteil der Jungjäger: 86 Prozent der Prüflinge machen laut DJV ihren Jagdschein, weil sie gern in der Natur sind, auf Platz zwei der Motivationsrangliste liegt mit 74 Prozent der Naturschutz.
Sticher hat in Hannover und Hildesheim Mathematik und Biologie auf Lehramt studiert, ein halbes Jahr fehlt ihr noch bis zum Abschluss. Trotzdem hat sie das Gefühl, zu wenig über die Natur zu wissen. In der Jagdschule beschäftigt sie sich drei Wochen lang mit wenig anderem. Auf dem Weg vom Klassenzimmer bis zum Kaffeeautomaten hängen 17 Tierschädel und fünf Infotafeln zu Themen wie „Die Rote Waldameise“ oder „Die Entwicklung des Damhirschgeweihs“, abends geht sie in der Jagd-App die Prüfungsfragen durch.
Der Großteil des Kurses, mindestens 123 Stunden, besteht aus Theorie, der Ordner mit Materialien fürs „grüne Abitur“ ist fast zehn Zentimeter dick. Die Schüler müssen einen Schießtest, eine schriftliche und eine mündliche Prüfung bestehen.
Dass Sticher in ihren Semesterferien nun in Mecklenburg-Vorpommern sitzt, hat auch mit ihrem Wunsch nach gesunder Ernährung zu tun. Sie will wissen, woher das Fleisch auf ihrem Teller kommt; und nicht, dass es vorher mit Antibiotika vollgepumpt und in Plastikfolie verpackt beim Discounter im Regal lag – wobei das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, die Belastung mit giftigem Blei aus der Jagdmunition stelle bei zu hohem Wildverzehr ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.
Wenn Sticher überhaupt Fleisch kauft, geht sie zu einem Metzger, dessen Produk – te von Tieren aus der Region stammen. Öl und Pesto holt die angehende Lehrerin beim Italiener, der die Waren aus seiner Heimat importiert. „Wenn ich ein Tier schieße, hat es bis zu seinem Tod nicht gelitten“, sagt Sticher.
Neben den Schießübungen und der Theorie gehört natürlich auch der blutige Teil zur Jagdausbildung. Aufbrechen heißt es im Fachjargon, wenn die Tiere aufgeschnitten und die Eingeweide entfernt werden. Für Sticher ist es gleich am ersten Tag so weit: Einer der Lehrer hat einen zwei Jahre alten Rehbock geschossen, nun liegt das 16-Kilogramm-Tier in der Wildkammer der Jagdschule, ein weiß gefliester Raum, in dem Metalltische stehen, große Haken von der Decke hängen und in dem das Atmen durch die Nase schwerfällt, so unangenehm riecht es nach Eisen, nach Blut.
Sticher beobachtet mit den 14 anderen Schülern, wie der Jäger den Hals des Bocks aufschlitzt und die Speiseröhre verknotet, damit der Mageninhalt nicht nach außen dringt. Am Ende hängt der Bock kopfüber, leer und in der Mitte aufgeklappt am Haken, wird mit Wasser ausgespült und in die Kühlkammer gehängt.
Ist doch interessant“, sagt Sticher. „Wer nur die Keule kennt, hat den Bezug zum Tier verloren.“ Sie hat in ihrem Studium schon Ratten seziert und an Gehirnzellen von Zwerghamstern geforscht. Aber an toten Tieren zu arbeiten oder Tiere selbst zu töten macht auch für sie einen großen Unterschied. Deshalb hat sie am Schießstand gezögert, obwohl sie bloß eine Zielscheibe im Visier hatte: „Den Anspruch habe ich schon, dass das Tier sofort tot ist, wenn ich schieße. Ich will es nicht verwunden, es soll sich nicht verletzt weiterschleppen und leiden“ – was aber in der Praxis viel zu häufig vorkommt.
Als Carolin Sticher in ihrem Freundeskreis erzählte, wie sie ihre Semesterferien verbringen werde, hätten die meisten posi – tiv reagiert. Passt doch zu dir, der angehen – den Biolehrerin, habe es geheißen. Nur einer wollte diskutieren: Wie kannst du das nur? Tiere töten?
Für Sticher ist klar: Die Jagd ist notwendig, um Wildbestände zu regulieren und Schäden in der Land- und Forstwirtschaft möglichst gering zu halten. Naturschützer hingegen betrachten die Jagd vor allem als Hobby und kritisieren, dass Jäger Wild häufig über den Winter hinweg füttern, um es dann zu erlegen. Drei Wochen auf Gut Grambow kosten 2880 Euro, für Führungskräfte wird ein Zwei-Wochen-Schnelldurchlauf für 6000 Euro angeboten, Unterkunft und Verpflegung gehen extra.
Lehrer Herbold macht sich mit Carolin Sticher auf den Weg zum Hochsitz, er zeigt ihr Fährten im Schlamm und erklärt, an welchen Bäumen das Rehwild fegt, sich also den Bast vom Gehörn reibt. Vor zwei Jahren war Sticher das letzte Mal bewusst in der Natur, zum Pflanzensammeln für die Uni. Elf Holzsprossen steigen Ausbilder und Azubi zum Ansitz hoch, rechts von ihnen erstreckt sich ein Weizenfeld bis zum Horizont, links ein Wald, und wenn das ungleiche Paar geradeaus blickt, sieht es eine Wiese, einen Bach, ein abge – erntetes Rapsfeld. Herbold hat sein Gewehrgriffbereit stehen, beide holen sich die Außenwelt durchs Fernglas in das Holzkabuff.
Ruhig müssen sie sein, bloß kein Wild verschrecken. Sticher und Herbold sitzen und schweigen und warten. Um 19.55 Uhr kommt ein Heißluftballon vorbeigeflogen, um 20.11 Uhr zwei Ringeltauben. Um 20.28 Uhr entdecken sie im Rapsfeld eine Ricke mit ihrem Kitz, um 20.40 Uhr schiebt sich der Mond über die Baumwipfel.
„An was denken Sie, Frau Sticher?“
„Man schaut und denkt nicht viel.“

Anna-Lena Rot

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Spannung, Spaß und glühende Läufe

Vater-Sohn-Schießen

Stolze Väter, glückliche Söhne und 4500 verschossene Schrotpatronen sind das Ergebnis des diesjährigen Vater- und Sohn-Schießens auf Gut Grambow. Inhaber Hans Martin Lösch hat die englische Tradition der „Green Feathers Days“ nach Deutschland geholt. Autor und Fotograf: Markus Stifter Voller Freude und Spannung treffen sich am 1. Mai Väter mit ihren Söhnen auf Gut Grambow. Insgesamt 15 Teilnehmer sind gekommen, um am alljährlichen Vater-Sohn-Schießen teilzunehmen. Schulungsleiter Dr. Helmut Herbold begrüßt die Gäste. Es wird ein deftiges Chili con Carne serviert. Viele der Teilnehmer sind schon Stammgäste und genießen das jährliche Event im Frühjahr für ein gemeinsames Erlebnis mit dem Nachwuchs. Während die Väter noch gemütlich zusammensitzen, werden die acht Nachwuchsjäger auf die Schießpraxis vorbereitet. Für jeden Teilnehmer steht eine Schulungsflinte mit der richtigen Schaftlänge zur Verfügung. Wer möchte, kann auch mit der eigenen mitgebrachten Waffe an den Start gehen. SAFETY FIRST „Nach dem Schuss sichern und sofort die Waffe öffnen“, erklärt der Schulungsleiter, denn Sicherheit steht morgen auf dem Schießstand an oberster Stelle. „Wer sich nicht konzentrieren kann und die Sicherheit vernachlässigt, muss eine Runde aussetzen oder kann am weiteren Schießen nicht teilnehmen“, bläut der erfahrende Ausbilder den Nachwuchsjägern ein. Fast alle haben sich schon für den Jungjägerlehrgang in den Sommerferien angemeldet. Im hauseigenen Laser-Schießkino werden die ersten Anschlagsübungen gemacht und so das Mitschwingen trainiert. JETZT WIRD’S ERNST! Beim Frühstück am nächsten Morgen merkt man gerade den Jungs die Aufregung und die Vorfreude auf den Tag gemeinsam mit ihren Vätern sichtlich an. Die Gewehre werden eingeladen, und es geht in Richtung Püttelkow zum Schießstand. Einige Söhne hatten natürlich schon eine Büchse oder Flinte in der Hand, aber nun auf den Kipphasen anzulegen, ist für die meisten ganz neu. Dr. Herbold hat dafür den Kipphasen eigens präpariert: Nach jedem Schuss wird der Hase mit orangener Farbe angesprüht, der Hintergrund und Kugelfang wird weiß gestrichen. So ergibt sich ein sehr guter Kontrast, und die Schrotgarbe ist auf der frischen Farbe gut erkennbar. Alle Schützlinge treffen den stehenden Kipphasen auf Anhieb, und so kann direkt der reguläre Schießbetrieb beginnen. „Hopp“ – und schon kommt der erste Hase aus dem Bunker. Max (16) ist einer der ersten Schützen und trifft den Hasen mittig. Herbold korrigiert seinen Anschlag noch etwas, damit er beim nächsten Mal höher ansetzt. „Die Jungs haben es echt schnell raus“, kommentiert der Schulungsleiter stolz das Ergebnis seiner jungen Teilnehmer. AUF HERZ UND NIEREN Die Väter haben währenddessen die Gelegenheit, ihre mitgebrachten Waffen auf dem Kugelstand einzuschießen. Stehen angestrichen oder sitzend aufgelegt geht es auf der 100-Meter-Bahn auf die Bockscheibe. Neben den eigenen Waffen stehen den Teilnehmern noch Schulungswaffen zum Testen zur Verfügung. Die Sauer 303 mit Lochschaft und die Blaser R8 werden auf Herz und Nieren geprüft. So eine Gelegenheit ergibt sich selten. Vom Keilerstand nebenan hört man ebenfalls die ersten Schüsse. Für jeden Stand ist eine Schießaufsicht eingeteilt, und so können die Schützen ohne Wartezeit von einem Stand zum anderen wechseln und ganz unkompliziert mit der eigenen Waffe oder einer der Testwaffen schießen. FRISCHLINGE [&] ALTE HASEN Die Jungs sind mittlerweile auf dem Tontaubenstand angekommen und beschießen bereits die ersten Tauben, die auf Kommando aus dem Bunker geflogen kommen. Das Areal des Schießstandes ist sehr weiträumig angelegt und liegt komplett im Freien. Der starke Wind macht es nicht immer einfach, die Tauben zu treffen. Aber die Schießleistung verbessert sich nahezu mit jedem abgegebenen Schuss. Eine Wurftaubenmaschine aus England ist auf einem Anhänger montiert und ermöglicht so auch das Schießen von Doubletten. Die Väter sind in dieser Disziplin schon sehr erfahren und treffen alleine wie auch im Zweier-Team fast jede Tontaube. Väter und Söhne wechseln sich nun ab und schießen nach Lust und Laune auf den Kugelständen oder dem Tontaubenstand. Dr. Herbold hat stets ein Auge auf seine Schüler in spe und legt Wert darauf, dass von Anfang an die richtige Schießposition eingenommen wird, ob auf Bockscheibe, laufender Keiler oder Kipphase. DER HÖHEPUNKT DES TAGES Nach einem kräftigen Mittagessen wartet der Höhepunkt des Tages auf die Teilnehmer: Bei einem kleinen Wettbewerb bilden nun Vater und Sohn ein Team und treten gemeinsam gegen die anderen Teams an. Von der Startlinie gehen Vater und Sohn in Richtung Wurftaubenmaschine. Jeder hat zwei Schuss. Bei einem Treffer geht es einen Meter weiter nach vorne, egal ob Vater oder Sohn getroffen hat. Das Team, das am weitesten kommt, hat gewonnen. Zuerst tritt Alexander von Schilling mit seinem Sohn Georg an. Sie schaffen über zehn Tauben und stehen schon fast vor der Wurfmaschine. Je näher sie an ihr Ziel kommen, desto schwieriger wird das Treffen über Kopf. Schon im ersten Durchlauf erreichen sie eine beachtliche Zielmarke, ein neuer Rekord auf Gut Grambow. FREUDE SCHWEISST ZUSAMMEN Die Teams haben ihren Spaß, und die wartenden Gruppen fachsimpeln über Verbesserungen beim Anschlag, das Schauen über die Schiene und vieles mehr. Mittlerweile ist auch die Sonne herausgekommen und „Jung und Alt“ amüsieren sich gemeinsam. Voller Stolz wird jede Serie mit einem „give me five“ abgeschlossen. „Dieser Tag bringt nicht nur jede Menge Freude, sondern schweißt Vater und Sohn noch enger zusammen. Für den jagdlichen Nachwuchs ist es der ideale Einstieg, bevor in wenigen Wochen der Ernst des Lebens mit dem Jungjägerkurs beginnt“, resümiert einer der Teilnehmer. Das Vater-Sohn-Schießen auf Gut Grambow hat bereits eine fünfjährige Tradition. Auch im nächsten Jahr werden sich viele der Teilnehmer auf Gut Grambow wiedersehen. Die meisten werden dann aber schon mit bestandener Jägerprüfung gegeneinander antreten.

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Ein Geweih für die blaue Tonne

NDR 2 Hörer Andreas Possekel wohnt in der Nähe von Schwerin und erzählte uns folgende lustige Geschichte:

Von November 2012 bis ca. März 2013 war in den Wäldern rund um das Grambower Moor ein „eigenartiges“ Tier unterwegs: Der Tonnen-Damhirsch! Ein junger Damhirsch hatte sich an einer im Wald aufgehängten Futtertonne mit seinem Geweih in der Befestigungslasche verfangen. Durch dumpfe Schläge, die aus dem Wald kamen wurde man darauf aufmerksam, denn der Dammhirsch polterte nun mitsamt der Tonne durch den Wald. Da Damhirsche ihr Geweih im Frühjahr abwerfen, ließ man das Tier mitsamt des „Kopfschmuckes“ durch den Winter laufen, anstatt die Tonne zu entfernen. So streifte unser Tonnenhirsch einige Monate stolz durch sein Revier, bis man das blaube Plastikbehältnis nebst Geweihstange – aber ohne Hirsch – fand. Die „Geweih-Tonne“ steht nun in der Ausstellung der Jagdschule bzw. des Moorvereins auf Gut Grambow. Wie es um die Kopf- bzw. Nackenschmerzen bei dem Damhirsch bestellt ist, ist nur zu vermuten.

Quelle: Website des NDR

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Jagdmesser

Ein Jagdmesser ist neben der Büchse der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Jägers.

1. Welche Eigenschaften sollte ein gutes Jagdmesser erfüllen?

Antwort:
Ein Jagdmesser sollte handlich, stabil und schnitthaltig sein. Dabei kann man zwischen Schmuckmessern und Gebrauchsmessern unterscheiden. Zu den Schmuckmessern zähle ich z.B. die klassischen Jagdnicker mit Hirschhorngriff, zu den Gebrauchsmessern die einfachen Alltagsmesser mit Kunststoffgriff, am besten in Orange. Gut ist eine zusätzliche Aufbrechklinge. Eine Schlosssäge kann man lieber extra kaufen. Die in Messern integrierten taugen in der Regel nichts.

2. Wozu benötigt ein Jäger sein Messer? Welche Aufgaben sollte ein Jagdmesser erfüllen können?

Antwort:
In erster Linie benötigt der Jäger das Messer zum Aufbrechen und Zerlegen von Wild. Alle anderen Zwecke liegen mehr im Ausland dann im Survivalbereich. Flaschenöffner, Dosenöffner, Kompass und ähnlicher Schnickschnack sind nett, aber überflüssig.

3. Welcher grundlgende Aufbau (Klapp-/ Feststehendes Messer) ist für ein Jagdmesser am Besten geeignet?

Antwort:
Klappmesser sind leichter zu verstauen und haben eine Vielzahl von Funktionen (z.B. das Schweizer Armeemesser in Jagdausführung). Der Nachteil ist die zumeist begrenzte Klingenlänge, die beim Aufbrechen von Sauen, Rot- und Damwild an die Grenzen kommt sowie die Verschmutzung, die man nur schwer aus den bauartbedingten Ritzen entfernen kann. Das ist unter hygienischen Gesichtspunkten bedenklich. Außerdem kann ein Klappmesser unter ungünstigen Bedingungen auch zusammenklappen und dies wäre eher schlecht für die Finger.

Feststehende Messer haben wenig Funktionen und in der Regel keine Aufbrechklinge. Außerdem muss das Messer entweder am Gürtel transportiert werden, kann also auch mal verloren gehen im Gestrüpp oder es bleibt im Rucksack, den man dann gerne mal im Auto gelassen hat, wenn man das Messer braucht.

Ideal ist hier das EKA Swing Blade. Es verbindet die guten Eigenschaften des feststehenden Messers mit denen des Klappmessers. Durch einen einfachen Knopfdruck kann man von Messerklinge zu Aufbrechklinge wechseln.

4. Welche verschiedenen Jagdmesser Typen gibt es und wozu dienen sie?

Antwort:
Jagdmessertypen gibt es unzählige. Viele Formen sind veraltet, da die Einsatzzwecke nicht mehr gegeben sind. So sind z.B. der klassische Hirschfänger oder auch das Waidblatt, bzw. Waidbesteck (also ein Waidblatt mit Nicker kombiniert an einer Scheide) heute eher folkloristische Schmuckstücke. Keiner schlägt heute noch die Trophäe mit dem Waidblatt ab und der Fangstich mit dem Hirschfänger ist auch seit Ganghofer nicht mehr aktuell.

Ebenso verhält es sich mit dem klassischen Jagdnicker. Sehr schick in der Lederhose auf der Wiesn (falls es die Security erlaubt) und auch als Brieföffner auf dem Schreibtisch toll, aber wer schon mal versucht hat ein Reh abzukicken, also den winzigen Durchlass zwischen Atlas und Wirbelsäule sicher zu treffen und das Reh so in Sekundenschnelle zu erlösen weiß, dass dies graue Theorie ist, bzw. sehr viel Entschlossenheit und Präzision erfordert. Tierschutzgerechter und sicherer ist der Kälberfang bzw. ein Stich mit der breiten Klinge in Lunge und Herz.

Häutemesser und spezielle Aufbrechklingen in den abenteuerlichsten Ausführungen sieht man auf den Jagdmessen immer wieder und alle sollen toll sein. Mir fehlt hier aber die praktische Erfahrung, ich helfe mir da mit dem EKA Swing Blade und/oder den günstigen Fleischereimessern in der Wildkammer.

5. Welche Klingenform hat ein typisches Jagdmesser?

Antwort:
Unerreicht gut und einfach zu schärfen sind Drop Point Klingen. Die Spitze des Messers sollte nicht allzu spitz sein, dann hält es länger. Gut ist es, wenn der Messerrücken zur Spitze hin abfällt, sodass beim Aufbrechen der Zeigefinger die Klinge vom Pansen abhalten kann.

6. Welches Klingenmaterial ist für ein Jagdmesser besonders geeignet?

Antwort:
Der 440 C Stahl ist beispielsweise ein guter Kompromiss aus Schnitthaltigkeit und guter Möglichkeit zum eigenen Nachschärfen, auch ohne spezielle Technik.

7. Was ist zu Damast-Jagdmesser zu sagen?

Antwort:
Sehr hübsch, sehr schnitthaltig und scharf. Teilweise aber sehr rostanfällig und damit eher ein Liebhabermesser, als ein Gebrauchsmesser. Jeder Jäger sollte mindestens eines haben, damit das Handwerk nicht ausstirbt und man sich daran erfreuen kann.

8. Wie lang sollte in etwa die Klinge eines Jagdmesser sein?

Antwort:
Rund 12 cm bis maximal 15 cm Klingenlänge reicht für die meisten Einsatzzwecke aus. Alles darüber sind Messer für Hundeführer und den Spezialeinsatz. Unter 12 cm Klingenlänge geht es für Rehwild und Allzweckeinsatz. Das gute alte Taschenmesser mit 6cm Klingenlänge kann mehr als man denkt, wenn man nichts anderes greifbar hat. Bei Flugreisen ist es egal, wie lang die Klinge ist, denn das Messer gehört eh nicht in das Handgepäck.

9. Welche Griffmaterialien kommen bei Jagdmessern zum Einsatz? Können Sie uns hier einen kleinen Überlick verschaffen?

Antwort:
Klassisch ist der Hirschhorngriff. Er sieht gut aus und liegt gut in der Hand. Ein Standardwerkzeug für den Jäger.

Kunststoffgriffe sind pflegeleicht, griffig und praktisch. Farbige Messer findet man auch erheblich besser wieder im Laub und in der Dunkelheit. Ein Muss für ein Gebrauchsmesser.

Alle anderen Materialien, wie Holz, Elfenbein, Knochen, etc. gehören für mich in den Bereich der Schmuck- und Sammlermesser.

10. Wie sähe das ultimative Jagdmesser aus? In Stichworten.

Antwort:
• Orangefarbener, rutschfester Kunststoffgriff
• Feststehende 12cm lange Klinge
• Drop Point Klinge
• Aufbrechklinge integriert
• Leicht zu reinigende Kunstfaserscheide

11. Wie sollte ein Jagdmesser gepflegt werden

Antwort:
Je nach Klingenmaterial und Griffmaterial. Die Metallteile sollten immer abgetrocknet werden. Die Klinge sollte immer scharf gehalten werden
Ansonsten leicht einölen, wenn es länger gelagert wird.
Holz- und Beingriffe dürfen nicht austrocknen, sonst bekommen sie Risse.
Bei Klappmessern sollte der Mechanismus immer leicht geölt sein, damit nichts festgammelt.

12. Wie schärft man Jagdmesser? Welche Methoden gibt es?

Antwort:
Ich nutze einfach das RWS Schnellschärftool mit einfacher Schäreinheit und Keramikabzugseinrichtung. Passt gut in den Jagdrucksack und ist auch für einfache Gemüter fehlerfrei zu bedienen.

Für Profis und solche, die es sein wollen, ist sicher das Lansky Schärfset nicht übel. Mir fehlt dafür die Zeit.In Härtefällen gebe ich es zu einem Mitglied der Deutschen Messermachergilde in die Wartung.

13. Was sind im Allgemeinen typische Schwachstellen eines Jagdmessers?

Antwort:
1. Die Spitze: Sie sollte stabil sein, sonst wird das Messer schnell ungewollt kürzer.
2. Die Scheide: Ist sie zu locker ist das Messer schnell futsch, ist sie zu eng, säbelt das scharfe Messer gern die Nähte durch und dann ist das Messer nebst Scheide futsch.
3. Der Feststellmechanismus: Und wenn der versagt, kann es die Finger kosten.

14. Welches Jagdmesser können Sie einem an der Jagd Interessiertem oder einem Jungjäger empfehlen?

Antwort:
Für den harten Einsatz ist das EKA Swing Blade (z.B. über www.gutgrambow-fieldsports.de zu beziehen) alternativlos. Für den Fan der klassischen Messer wird jeder im PUMA Sortiment etwas finden, was zu ihm passt.

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Zentimetergenau Furchen gezogen

Bei herrlichem Sonnenschein und idealen Bedingungen für die Wettkampfteilnehmer sowie einem attraktiven Rahmenprogramm gingen 19 Landwirte, darunter mehrere Azubis, an den Start. Dabei war am Tag zuvor noch ein stürmischer Wind über die Felder gefegt und hatte die Aufbauten des großen Zeltes davongetragen. Unbürokratisch stellte der ausrichtende Betrieb, das Gut Grambow, seine große Halle zur Verfügung, in der die Kreismusikschule „Carl Orff“ mit der Parforcebläsergruppe Maurinetal aus Schönberg sowie der Big Band der aus Murine-Stadt aufspielten.

Die besten Pflüger der Landkreise Parchim, Ludwigslust und Nordwestmecklenburg zeigten in den zwei Disziplinen Beet- und Drehpflügen ihre Meisterschaft. Genauigkeit war gefragt. Ungepflügte Reste durften nicht zurückbleiben, die vorgegebene Tiefe musste eingehalten werden, gerade und gleichmäßige, dicht aneinander liegende Furchendämme waren gefordert. Am Ende musste alles auch noch ackerbaulich richtig sein – ein reines Bett für die neue Saat.

Hauptschiedsrichter Carsten Dettmann freute sich über die guten Leistungen, wenngleich kein Teilnehmer die volle Punktzahl holen konnte. „Die Wettkampfbedingungen waren ideal, die Organisation perfekt“, fasste er zusammen. „Die Flächen waren gut ausgewählt und vorbereitet, alle Landwirte hatten die gleichen Bedingungen.“

„Ich geh‘ jedes Jahr zum Leistungspflügen“, sagt Otto Möller. Der 87-Jährige aus Groß Eichsen ist als Bauer groß geworden, hat mit einem kleinen Trecker nach dem Krieg begonnen, in der DDR erlebt, wie acht Mähdrescher nebeneinander das Feld abernteten und nach den Wende den Neuanfang gewagt. „Mit meinem Sohn und meiner Schwiegertochter haben wir unseren Familienbetrieb neu aufgebaut“, sagt er. Aus Wismar war Sören Küchenmeister mit den beiden siebenjährigen Zwillingen Simon und Lukas angereist; „Für die Kinder ist das ein besonderes Erlebnis. Wir sind jetzt immer dabei.“

Ein Höhepunkt für die Besucher war das abschließende Schaupflügen mit Oldtimern wie etwa dem legendären Lanz-Bulldog.

Ergebnisse:

Gesamtsieger wurde Frank Schacher von der Agrar GmbH Diestelow.

Beetpflügen:
1. Platz Sven Tannheiser, APG Lübesse,
2. Platz Thorsten Schönsee, Kabower Agrargenossenschaft (AG),
3.Platz Christoph Wittmiß, AG Hagebök

Drehpflügen:
1. Platz Frank Schacher, Agrar GmbH Diestelow,
2. Platz Toni Rahn, AG Brüsewitz,
3. Platz Martin Große, Fink Dienstleistungen

Azubiwertung:
1. Platz Martin Große, Fink Dienstleistungen,
2. Platz Martin Scheiber, AG Rom/Mecklenburg,
3. Platz Patrick Michales, Landboden Glasin

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