Jagdschule Gut Grambow

Begegnungen: Der Jagdschulleiter

Wer unternehmerisch denkt, kommt auch in der Landwirtschaft weiter. Dies will Hans Martin Lösch unter Beweis stellen, der unweit von Schwerin im kleinen Dorf Grambow einen Betrieb aufgebaut hat, dessen Größe die Ausmaße früherer Kolchosen erreicht: 2000 Hektar gehören Lösch. Davon bewirtschaftet er 1200 Hektar als Ackerland, auf denen er klassische Erzeugnisse anbaut: Winterweizen, Wintergerste, Zuckerrüben, Raps, Silomais. Zusätzlich besitzt er 600 Hektar Wald und rund 300 Milchkühe. Doch anstatt sich zwischen EU-Vorgaben, Überproduktion von Milch und zusammengebrochenen Holzpreisen zerreiben zu lassen, hat der 36 Jahre alte Landwirt die Flucht nach vorne angetreten. Denn daß Gut Grambow über die Grenzen seiner Region hinaus bekannt ist, verdankt Lösch vor allem der Jagdschule Gut Grambow. Dort können angehende Jäger, denen die anspruchsvolle Jagdprüfung im Abendkurs zu nervenaufreibend ist, in weniger als vier Wochen eine komplette Ausbildung vom ahnungslosen Städter zum schußsicheren Waidmann mit Jagdschein absolvieren. 250 Schüler empfängt Lösch jedes Jahr auf seinem Gut und löst auf diese Weise gleich eine ganze Reihe von Problemen, die er sonst kaum überwunden hätte. Allein der Hof mit seinen Wirtschaftsgebäuden ist 11 Hektar groß – das sind umgerechnet 110 000 Quadratmeter, deren Unterhalt allein schon den Ruin eines solchen Betriebs herbeiführen kann. „Die Größe der Hofstelle habe ich anfangs selbst unterschätzt“, sagt Lösch im Rückblick. Die Jagdschule ist im alten Ackerpferdestall untergebracht. „Das Gebäude wäre anders nicht zu nutzen gewesen.“ Die Unterkünfte für seine Jagdschüler sind auf die Ferienwohnungen verteilt, die Lösch auf dem Gut eingerichtet hat. Ohne die Jagdschule wären diese kaum rentabel: „Für Tourismus liegen wir zu weit vom Meer entfernt.“ Auf diese Weise kann Lösch die Gebäude nutzen und kommt auf 7000 bis 8000 Übernachtungen im Jahr – eine Zahl, die ihm viele Gastronomiebetriebe neiden werden. „Vor allem sind die Ferienwohnungen nicht saisonabhängig“, sagt Lösch. Denn die Jagdschule läuft das ganze Jahr hindurch. Dies ist jedoch nur durch eine angepaßte Bewirtschaftung seiner Wälder möglich. Da fügt es sich, daß er durch die Jagdschule auch gleich einen willkommenen Zusatznutzen für seinen Wald schafft. Laubmischwald und Kiefernmischwald hat er, je nach Bodengüte. Hinzu kommen 150 Hektar Nicht-Wirtschaftswald, in dem der Mensch nicht eingreift und der ausschließlich als Jagdruhezone genutzt wird. Zu jagen finden seine Schüler ansonsten reichlich: Rotwild, Damwild, Schwarzwild und Niederwild – darunter verstehen Jäger Feldhasen, Kaninchen, Wildenten oder auch Fasanen. Viele Vögel werden durch die Seen angezogen, die Lösch auf seinem Gelände hat. „Im Prinzip ist Gut Grambow eine große Parklandschaft“, sagt Lösch. Durch diese Artenvielfalt kann er seine Jagdschüler ganzjährig waidmännische Routine sammeln lassen. Sein Lebenslauf widerlegt, daß man Landwirtssohn sein muß, um ein guter Landwirt zu werden. Die Familie lebte in Schleswig-Holstein und hatte mit Landwirtschaft wenig zu tun – der Vater war Chirurg. Immerhin hatten Teile der Familie früher ein Gut in Mecklenburg-Vorpommern, bis sie 1945 die Gegend verließ. 1993 begann seine Mutter, Flächen in der Nähe von Gut Grambow zu kaufen, stieß aber auf Schwierigkeiten beim Rückkauf des alten Familienbesitzes. Immerhin gelang es der Familie Lösch, nach und nach die Flächen des Betriebs aufzukaufen. Ersten Kontakt zur Landwirtschaft hatte Lösch als Schulkind vor allem während der Schulferien, die er häufig auf dem Betrieb seines Patenonkels verbrachte. Nach dem Abitur studierte er in Berlin internationale Agrarwissenschaften und nach der Wende Agrar-Ökonomie. Durch diese Ausbildung kam er in Berührung mit der Agronomie, wie sie in der DDR gelehrt wurde. Sein Studium hätte Lösch eigentlich auf einen Landwirtschaftsbetrieb irgendwo in der Ferne, in den Tropen geführt. Durch die Wende nach 1989 ergab sich jedoch die Chance in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Rahmenbedingungen Anfang der Neunziger waren ideal“, sagt Lösch. Die Landpreise waren noch günstig. Investitionszulagen halfen über einige Schwierigkeiten hinweg, vor allem um den Betrieb auf moderne Standards zu bringen. 17 Angestellte beschäftigt Lösch auf seinem Hof. Es waren auch schon deutlich mehr. Als er die großen Umbauarbeiten anging, war auf dem Hof auch eine Baubrigade aktiv. Im Gespräch strahlt Lösch die Gelassenheit aus, die sich einer leisten kann, der nicht zu stark am Tropf der Banken hängt. Eine Eigenkapitalquote von 80 Prozent habe er in seinem Betrieb, weil er diesen nach und nach aufbauen konnte. „Ich bin ein risikoscheuer Mensch“, sagt er von sich selbst. Die Milcherzeugung hat er im vergangenen Jahr ausgelagert und an einen Mitarbeiter in seinem Betrieb verpachtet – zunächst auf 20 Jahre mit allem Drum und Dran, die Kühe inklusive der Milchquote, der Stallgebäude und der Landfläche. Das gehört ihm zwar weiterhin, aber der Pächter arbeitet künftig auf eigenes Risiko. Dieser kann nun eigene Erträge erwirtschaften, ohne daß er die Last der hohen Anfangsinvestitionen tragen muß. Und Lösch hat die Führung seines Betriebs so überschaubarer gemacht. Auch Glück muß man als Landwirt manchmal haben. Unter der extremen Trockenheit und dem Frost im April hätten viele Betriebe in seiner Nachbarschaft gelitten. Gut Grambow dagegen blieb verschont, weil es in einer geschützten Lage liege. Wie war das noch mal mit dem Bauern und der Kartoffelernte? Ach ja, diese Frucht baut Lösch ja gar nicht an. CHRISTIAN VON HILLER

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